[Nostalgie] Nikola Hotel erinnert sich…

Nostalgie_buttonMein heutiges Interview habe ich mit Nikola Hotel zu ihrem liebsten Kinderbuch geführt. Nikola habe ich über ihren wundervollen Fantasyroman „Rabenblut drängt“ kennen und schätzen gelernt. Wenn ihr mehr über sie erfahren wollt, dann findet ihr die Autorin bei Facebook.

Und nun geht es los:

• Welches war dein liebstes Kinder- oder Jugendbuch?Dann_als_die_tiere_den_wald_verliessen

– Das war ganz klar »Als die Tiere den Wald verließen« von Colin Dann.
Ich muss etwa 11 Jahre alt gewesen sein, als ich es von einer Freundin ausgeliehen bekam. Es war das erste Mal, dass ich ein Buch über mehrere Stunden und ohne Unterbrechung verschlungen habe. Ich hockte auf einem Kissen auf unserem kleinen Balkon und konnte einfach nicht aufhören zu lesen. Glücklicherweise hat mich meine Mutter zwischendurch mit Essen und Getränken versorgt, sonst wäre ich wohl am Ende der Geschichte völlig ausgemergelt gewesen.

• Worum ging es in diesem Buch?

– Die Geschichte handelt von einer Gruppe Waldtiere, deren Zuhause von Menschen zerstört wird. Sie beschließen, gemeinsam ein neues Zuhause zu finden und begeben sich auf eine abenteuerliche Reise. Mit einem Schwur schützen sie sich gegenseitig, trotzdem erreichen nicht alle den rettenden Hirschpark lebend.

• Warum hast du es geliebt?

– Aus mehreren Gründen: Zum einen habe ich die vielen unterschiedlichen Charaktere geliebt und dass wirklich jeder auf seine Art nützlich für die Gemeinschaft sein konnte. Die Tiere sprechen miteinander wie wir Menschen und es sind nicht nur „nette“ Tiere dabei. Außerdem ist es das erste Buch gewesen, in dem ich mit dem Tod konfrontiert worden bin. Als sich zum Beispiel der Igel mitten auf der Autobahn aus Angst zusammenkugelt, anstatt wegzulaufen, und alle anderen Tiere vergeblich versuchen, ihn zu retten, habe ich bittere Tränen vergossen. Ich fand das Buch aus diesem Grund so ehrlich. Mir hat es gefallen, dass der Autor es seinen kindlichen Lesern zutraute, damit fertig zu werden.

• Hast du es noch in deinem Regal stehen?

– Ich hatte es damals nur ausgeliehen und dann viele Jahre darum getrauert. Erst als Erwachsene habe ich es mir gekauft. Ja, es steht immer noch im Bücherregal, allerdings im Kinderzimmer.

Vielleicht als Zusatzfrage, falls dir dazu etwas einfällt: Glaubst du, dass dieses Buch auch heute noch Kinder/ Jugendliche begeistern kann?

– Das ist die spannendste Frage überhaupt, leider kann ich sie nicht klar mit Ja beantworten. Natürlich habe ich meinen Söhnen davon vorgeschwärmt und dann angefangen, ihnen daraus vorzulesen. Sie fanden es aber eher langweilig. Heute sind sie Geschichten gewöhnt, bei denen sie sofort ins Geschehen geworfen werden. Geschichten, sie von Anfang an Action bieten. Das finde ich sehr schade, denn gerade das langsame Aufbauen lässt einen tief in eine andere Welt eintauchen. Damals in den Achtzigern, als ich das Buch gelesen habe, waren sogenannte »Umweltbücher« total in. Wir lernten es, den Müll zu trennen und Stoffbeutel anstelle von Plastiktüten zu kaufen. Wir lasen Geschichten vom »Maulwurf Grabowski« und schauten »Löwenzahn« im Fernsehen an. Heute spielen die Kinder Playstation und Augen und Ohren sind an Spezialeffekte gewöhnt. Man muss sie schon in einem schwachen Moment erwischen, um sie mit dieser Art Tiergeschichten fesseln zu können.

 

Mir hat es unheimlich Spaß gemacht, Nikolas Antworten zu lesen. Ich selber kenne das Buch nur vom „Hörensagen“, habe es aber nicht gelesen. Wer von euch kennt es?

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2 Kommentare zu [Nostalgie] Nikola Hotel erinnert sich…

  1. Ich LIEBE „Als die Tiere den Wald verließen“ – habe meine Ausgabe aus Kindertagen immer noch, auch wenn der Umschlag inzwischen ziemlich ranzig aussieht und an allen Stellen eingerissen ist und mit Klebeband zusammengehalten wird.

    Im Februar letzten Jahres habe ich tatsächlich sogar einen Artikel darüber geschrieben, aus dem ich mal zitiere:

    „Da ich mich nicht daran erinnern kann, dass mir jemals etwas vorgelesen wurde, verbinde ich mit diesem Buch, neben einigen Märchenbüchern und zahlreichen Dachbodenschätzen meiner Großeltern, meine ersten richtigen Leseerlebnisse. Das Buch steht noch immer in meinem Regal und ist inzwischen ziemlich mitgenommen. Im Buchdeckel steht mit meiner wunderbaren Grundschulhandschrift mein Name und den Schutzumschlag habe ich mit gefühlten tausend Schichten repariert und fest ins Buch geklebt, damit er auf keinen Fall verloren geht.

    Ich weiß nicht mehr, wann ich diese 312 Seiten aus dem Jahr 1980 das letzte Mal in der Hand hatte, um sie wirklich zu lesen. Es muss Ewigkeiten her sein, aber ich weiß noch genau, warum ich das Buch immer und immer wieder gelesen habe, warum es mich so sehr fasziniert und geprägt hat: Es war die Aussage, dass immer alles besser werden kann, egal wie schlimm die gegenwärtige Situation auch ist. Es war die Geschichte über eine Gruppe von Tieren, die sich in der gemeinsamen Not zusammenrotten und einen Weg aus ihrer Misere finden. Der Zusammenhalt und das Weitermachen trotz schlimmer Verluste brachten mir immer wieder vor Augen, dass mit der richtigen Einstellung und mit der richtigen Unterstützung einfach alles möglich ist. Und natürlich auch, dass alles Handeln seine Konsequenzen hat, wenn nicht für einen selbst, dann auf jeden Fall für jemand anderen.

    Ein wichtiges Buch für mich, das ich irgendwann auch meinen Kindern zu lesen geben werde, weil die vermittelte Botschaft so vieles beinhaltet. Ich glaube, ich muss es demnächst auch mal wieder lesen <3"

    Du siehst, es ist ein wichtiges Buch für mich gewesen, und ich finde, dass die vermittelten Werte darin auch heute noch eine große Rolle spielen. Vielleicht lese ich es tatsächlich demnächst mal wieder.

    Liebste Grüße aus Hamburg 😉

  2. Karin sagt:

    Als die Tiere den Wald verließen wurde auch bei uns heiß und innig geliebt.

    LG..Karin..

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