Hurtigruten 2010

Leider wurden beim Umzug vom alten Blog auf die Lesewelt nur die Beiträge und Kommentare mitgenommen. Die Fotos muss ich per Hand einfügen. Die Formatierung hat es mir zum Teil auch zerschlagen. Anpassungen folgen in Kürze (geschrieben: 28.11.2015)

19.09.2010
Endlich ging es los. Die Reise, auf die wir uns nun schon seit über einem Jahr freuen sollte beginnen. Gegen 11.30 Uhr stiegen Mama, Papa, Ann-Katrin, Thomas und ich ins Auto um nach Kiel zum Anleger der Color Line zu fahren. Die Fahrt nach Kiel verlief ohne Probleme; zumindest solange bis wir auf der Autobahn die Abzweiger „Ostseekai“ und „Norwegenkai“ sahen. Jetzt war ich mir plötzlich nicht mehr sicher, von welchem Kai die Color Fantasy ablegen würde. Thomas war sich sicher, dass sie auf dieser Seite der Förde (und damit am Ostseekai) ablegt, ich fand, dass sich der Norwegenkai eigentlich logischer anhört. Da wir genug Zeit hatten gerieten wir nicht in Stress und fuhren zunächst runter zum Ostseekai. Da sahen wir unser Schiff auch schon liegen… allerdings auf der anderen Seite der Förde. Also, zweimal rechts abgebogen und direkten Kurs auf den Norwegenkai genommen. Die Verabschiedung von unseren Lieben ging schnell und wir machten uns auf den Weg ins Terminal. Die meisten Passagiere hatten schon eingecheckt und so mussten wir nur kurz warten, bis wir an die Reihe kamen. Gegen Abgabe unseres Vouchers bekamen wir unsere Bordkarte mit der Kabinennummer 926 auf Deck 11. Bis wir das Schiff betreten durften dauerte es noch einige Zeit, so dass wir es uns am Rand gemütlich machten. Als es um 13.00 Uhr losging machten wir uns mit unseren Koffern erstmal auf um unsere Kabine zu suchen. übers Promenadendeck mit seinen verschiedenen Restaurants und Shops ging es zu den Fahrstühlen. Wir hatten unsere Kabine schnell gefunden und als wir die Tür öffneten staunten wir nicht schlecht. Ein Doppelbett und (noch viel besser) ein riesiges Fenster. Gebucht hatten wir eine Innenkabine, da wir für eine einzige Nacht nicht so viel Geld ausgegeben wollten. So ging die Reise natürlich richtig gut los.

Nachdem wir unsere Koffer verstaut hatten machten wir uns auf zum Sonnendeck, um die Abfahrt
dort zu erleben. Thomas organisierte uns zwei Stühle und wir machten es uns am Heck bequem.
Pünktlich um 14.00 Uhr machten die Arbeiter die Leinen los und wir legten ab. Zunächst
ging es durch die Kieler Förde um dann die Ostsee zu erreichen und Kurs auf Oslo zu setzen.
Da der Himmel immer mehr zuzog und es an Deck richtig kalt wurde machten wir uns auf den Weg ins
Panorama-Cafe, wo wir die nächsten zwei Stunden bei insgesamt zwei Cappuccino, einem Kaffee,
einer Cola und einem Stück Käsekuchen mit zwei Gabeln (die wir allerdings nicht geordert
hatten, sondern die uns die sehr nette Bedienung brachte) gemütlich mit lesen verbrachten.
Um 18.07 Uhr fuhren wir unter der öresundbrücke durch, da musste ich natürlich
schnell mal mit der Kamera nach draußen springen.

Danach machten wir uns auf den Weg in die Pizzeria um erstmal zu Abend zu essen. Wir entschieden
uns für einen Salat (Thomas) und Spaghetti Bolognese (ich) und zwei Apfelschorle.
So ließen wir den Abend gemütlich ausklingen, bevor wir uns in unsere Kabine
verzogen. Am Abendprogramm, oder einem Bummel auf dem Promenadendeck hatten wir kein
Interesse. Wir waren jetzt schon froh, dass es so etwas an Bord der Midnatsol nicht geben
würde.

20.09.2010
Auch wenn wir durch die ungewohnte Umgebung in der Nacht öfter mal aufgewacht sind,
haben wir eigentlich ganz gut geschlafen. Gegen 6.30 Uhr sind wir aufgestanden und als erstes
kurz an Deck gegangen. Das Wetter präsentierte sich bedeckt und neblig, aber trocken. N
ach dem kurzen Abstecher haben wir uns auf die Suche nach einer Möglichkeit zum
frühstücken gemacht und wurden fündig. Mit 15,20 Euro pro Person war unser
erstes Frühstück auf dieser Reise allerdings ein sehr teures Vergnügen…
Nach dem Frühstück haben wir es uns noch etwas in unserer Kabine gemütlich
gemacht und die Fahrt durch den Oslofjord beobachtet. Gegen 9.30 Uhr machten wir uns mit
unseren Koffern auf den Weg zum Deck 3, wo sich auch der Ausgang befand. Da wir um 10.00 Uhr
anlegen sollten und unser Bus um 10.05 Uhr bereits abfahren sollte, wollten wir kein Risiko
eingehen. Aber es klappte alles prima. Die Color Fantasy legte pünktlich in Oslo an, und
wir fanden auch sofort unseren Bus. Die Koffer wurden eingeladen, wir suchten uns einen Platz
auf dem Oberdeck. Der Transfer beinhaltete eine Stadtrundfahrt, an deren Ende wir in unserem
Hotel abgesetzt werden sollten. Wir hatten eine sehr nette, gut Deutsch sprechende
Stadtführerin, die sich wirklich alle Mühe gab, uns mit vielen Infos und
Anekdötchen zu unterhalten. Zunächst ging es durch einen Tunnel in die Innenstadt.
Vorbei an der Oper, dem Parlament und dem Schloss ging es weiter zum Vigeland-Park.
Im Vigeland-Park werden 192 Skulpturen des norwegischen Künstlers Gustav Vigeland
(1869-1943) ausgestellt. Eine der berühmtesten Skulpturen ist der Monolith. Die aus einem
einzigen Stein gemeißelte Säule besteht aus 121 menschlichen Figuren und ist über
14 Meter hoch.
Der Bus ließ uns auf der einen Seite des Parks raus und in gemächlichem Tempo
schlenderten wir eine halbe Stunde lang durch den Park bis zur anderen Seite, wo uns der Bus
wieder einsammelte. Weiter hinauf fuhren wir zum Holmenkollen. Leider verbarg sich der
größte Teil der Sprungschanze schamhaft im dichten Nebel. So fiel dann der
nächsten Punkt auf der Tagesordnung, der Halt an einem Aussichtspunkt, mangels Aussicht
aus…

Nun kam der interessanteste Punkt der Stadtrundfahrt in die Reihe. Der Besuch im Fram-Museum.
Hauptattraktion im Polarschiffmuseum ist die FRAM aus dem Jahre 1892 mit originalen
Einrichtungsgegenständen. Man kann das Schiff nicht nur von außen, sondern
auch im Inneren besichtigen.

Das Museum veranschaulicht die norwegischen Polarexpeditionen, die innerhalb der polaren
Forschung Weltgeschichte geschrieben haben: Nansens Reise über das nördliche Eismeer
und sein Versuch, auf Skiern den Nordpol zu erreichen, Sverdrups Expedition nach Grönland,
wo mehr als 200.000 km2 Neuland entdeckt und kartiert wurden, Amundsens Expedition zum
Südpol, die Entdeckung der Nordwestpassage und sein Versuch, sich dem Nordpol zu
nähern. Zunächst erzählte unsere Reiseleiterin einiges über die Geschichte
der Fram, aber dann hatten wir ausreichend Zeit, uns alleine im Museum umzuschauen. Es war
schon sehr beeindruckend auf dem Schiff zu stehen, mit dem Fritjof Nansen damals im Eis
unterwegs war. Nun war es an der Zeit, diejenigen, die wieder mit der Color Fantasy nach
Kiel zurückfahren mussten zum Schiff zu bringen. Nachdem wir diese Leute ausgeladen
hatten machten wir uns auf den Weg zu den verschiedenen Hotels. Unser Hotel, das Thon Hotel
Opera, war das Zweite, welches wir ansteuerten, so dass wir schon um kurz nach 14.00 Uhr
einchecken konnten. Wir bekamen das Zimmer 514 in der 5. Etage. Das Hotel ist sehr sauber und
gepflegt. Das Zimmer war auch ordentlich, auch wenn der Ausblick auf das Nachbargebäude
(ein Bürohaus) nun nicht besonders spektakulär war. Aber es war ja eh nur für
eine Nacht. Schnell machten wir uns auf den Weg in die Stadt, da wir noch einiges auf eigene
Faust anschauen wollten. Zunächst ging es die Karl Johans Gate hinauf Richtung Schloss.
Unseren Weg unterbrachen wir nur kurz um bei Burger King etwas zu essen. Dabei hatten wir den
Ausblick auf einen dieser Fahrradstände. Darüber hatte uns unsere Stadtführerin
auch schon etwas erzählt. Man bezahlt pro Jahr einen bestimmten Betrag, der nicht besonders
hoch ist und kann sich dann kostenlos diese Fahrräder nehmen. Die Stationen sind über
ganz Oslo verteilt und so nimmt man sich ein Fahrrad wenn man es braucht und kann es an einer
anderen Station wieder abstellen. Ist schon eine gute Sache. Weiter ging es dann nach der
Stärkung zum Schloss. Wir hatten Glück und es fand gerade ein Wachwechsel statt,
als wir das Schloss erreichten, so dass wir gleich dabei zuschauen konnten. Genau wie in
unserem Schwedenurlaub 2007 fragten wir uns mal wieder, wie man sich so was freiwillig antun
kann. Es sah genauso albern aus wie bei den Schweden damals. Aber anscheinend sind die jungen
Leute stolz darauf, wenn sie da mitmachen dürfen. Naja… jedem das Seine. Weiter nahmen
wir unseren Weg zum Rathaus. Der Besuch lohnt sich wirklich. Der Eintritt ist kostenlos und
das Rathaus ist Innen mit wunderschönen Malereien versehen. Schon gegen 16.30 Uhr machten
wir uns aber auf den Weg zurück in unser Hotel, da wir doch ziemlich geschafft waren und
uns ein bisschen hinlegen wollten. Aus dem bisschen wurde dann, dass wir vor dem nächsten
Morgen nicht mehr aufgestanden sind.

21.09.2010
Heute stand die Fahrt mit der Bergenbahn auf dem Programm. Nach einem wirklich sehr guten
Frühstücksbuffet, welches wir mit Blick auf die Oper von Oslo genossen, machten wir
uns gegen Viertel vor Zehn auf den Weg zum Bahnhof. Wir fanden fast sofort das richtige Gleis,
so dass wir eigentlich zu früh waren, denn der Zug sollte erst um 10.31 Uhr abfahren. Wir
hatten aber Glück, und der Zug lief bereits gegen Viertel nach Zehn in den Bahnhof ein, so
dass wir ganz entspannt unseren Wagon Nr. 447 und die Plätze 47 und 48 suchen konnten. Wir
hatten Plätze in Fahrtrichtung auf der rechten Seite. In diesem Wagon trafen wir dann auch
bereits auf die ersten Mitreisenden, die alle am Hurtigruten-Kofferanhänger zu erkennen waren.
Die Strecke der Bergenbahn führt 471,2 km durch wunderschöne Landschaften. Die Fahrt
dauert 7 Stunden und sie gilt als eine der schönsten Bahnstrecken Nordeuropas. Los ging es
in Oslo und immer weiter hinauf über die größte Hochebene Europas, die
Hardangervidda. Mit Finse auf 1222 Metern über dem Meeresspiegel ist der höchste Punkt
der Bergenbahn erreicht. Danach ging es wieder abwärts bis wir gegen 18.00 Uhr Bergen
erreichten. Man kann zusammenfassend wirklich sagen, dass wir uns keine Minute gelangweilt haben.
Die Landschaft durch die wir gefahren sind war traumhaft schön, außerdem haben wir uns
mit Hörbuch hören (Thomas) und Buch lesen (ich) die Zeit gut vertrieben. In Bergen raus
aus dem Zug und da sahen wir auch schon den Busfahrer mit dem Schild „Hurtigruten“ stehen. Also
dem netten Mann schnell gefolgt und ab zum Bus. Man höre und staune: Es regnete nicht! Und
das in Bergen, wo Bergen doch die regenreichste Stadt Europas ist. Der Transfer hat wunderbar
geklappt und schon lag sie vor uns; „unsere“ Midnatsol. Nun noch zum Check-In, wo wir die
Kabinenschlüssel/ Bordkarten, unsere Platznummer für das Mittagessen und Abendessen
und erste Informationen bekamen und dann endlich ab auf das Schiff. Um unsere Koffer brauchten
wir uns nicht zu kümmern, die wurden direkt vom Bus vor unsere Kabine gebracht.
Wir betraten also gegen Viertel nach Sechs das erste Mal die Midnatsol und wurden gleich mit der
Sitte des Hände desinfizieren vertraut gemacht. Das Desinfizieren der Hände sollte uns
von nun an 12 Tage lang begleiten. Vor jeder Mahlzeit und beim Betreten des Schiffes wird Wert
darauf gelegt, dass man sich die Hände desinfiziert. Da wir natürlich nicht Schuld an
irgendwelchen eingeschleppten Keimen sein wollen haben wir uns immer brav daran gehalten. Das
Zeug war außerdem auch wirklich angenehm. Nicht so fies wie das, was sie uns auf der
Trollfjord und der Nordstjernen bei den Besichtigungen über die Hände gekippt haben.
Wir hatten uns also auch sehr schnell daran gewöhnt.

Nun aber ab auf Deck 7 und zur Kabine 782. Wir fanden sie fast auf Anhieb und waren, als wir die
Tür öffneten, begeistert. Die Suite ist mit ihren ca. 28 qm wirklich geräumig und
der Balkon mit ca. 6 qm auch riesig für uns zwei Menschen. Auf dem Balkon stehen zwei
Liegestühle und ein kleiner Tisch aus sehr schwerem Holz (damit die Sachen bei Seegang nicht
über Bord gespült werden). Empfangen wurden wir mit einer Flasche Sekt, einem in Folie
eingepackten Obstkorb und zwei roten Kaffeebechern der Midnatsol. Damit hatte sich die Frage, ob
wir das Kaffeepaket kaufen dann auch erübrigt. Es ist bei den Suiten als „Geschenk des Hauses“
inklusive. Unsere Kabine war außerdem ausgestattet mit einem großen Doppelbett, einem
Kleiderschrank, Zweisitzer-Sofa, einem Sessel, einem ausreichend großen Tisch, Schreibtisch,
Fernseher, Wasserkocher und einer Minibar, deren erster Inhalt auch kostenlos ist. Erst danach muss
man für das Auffüllen bezahlen. Da unsere Koffer noch nicht angekommen waren und wir nach
der langen Fahrt mit der Bergenbahn hungrig waren, machten wir uns auf den Weg zum Deck 5 ins
Restaurant. An diesem Abend gab es Buffet und freie Platzwahl. Wir wussten noch nicht, dass wir
jetzt jeden Tag so verwöhnt werden würden. Das Buffet ließ wirklich keine
Wünsche offen. Von kalten über warme Gerichte, Fisch oder Fleisch, sowie Vegetarisch war
alles dabei. Und beim Nachtisch ging es weiter. Verschiedene Obstsorten, Kuchen oder
Süßspeisen. Man konnte sich kaum entschieden…
Nach dem Abendessen haben wir uns vor dem Konferenzraum auf Deck 5 eingefunden um unsere Bordkarten
freischalten zu lassen. Danach brauchten wir an Bord kein Geld mehr, sondern konnten alles mit der
Bordkarte zahlen. Die Abrechnung erfolgt dann am Ende der Reise über die Kreditkarte. Das ist
wirklich recht praktisch. Zurück in der Kabine haben wir zunächst unsere Koffer ausgepackt
und die leeren Koffer dann unter dem Schreibtisch bzw. in einer Ecke verstaut.
Um 20.30 Uhr fanden wir uns dann im Konferenzraum ein. Es war eine Sicherheitsbelehrung angesetzt u
nd unsere Reiseleiterin Hild Hagen würde sich uns vorstellen und ein bisschen zum Ablauf der
Reise erzählen. Zunächst kam die Mannschaft, allen voran unser Kapitän Arild Harvik
um sich uns vorzustellen. Der Sicherheitsoffizier blieb dann als einziger neben unserer
Reiseleiterin zurück, um uns zu zeigen, wie man im Falle des Falles den Rettungsanzug
anlegt und die Rettungsweste drüberzieht. Sollte der Notfall tatsächlich eintreten, was natürlich niemand hofft, dann würde die Mannschaft aber auch helfen. Nachdem sich auch der Sicherheitsoffizier verabschiedet hatte erklärte Hild Hagen uns einiges zur Reise und, dass wir die Lautsprecherdurchsagen über das Telefon auch in der Kabine empfangen könnten.
Die Besprechung war recht kurz gehalten, so dass wir es uns bis zur Abfahrt um 22.30 Uhr dann in unserer Kabine gemütlich machten.
Pünktlich standen wir mit jeder einem Glas Sekt (obwohl wir sonst eigentlich beide keinen Alkohol trinken; aber zu diesem Moment passte es dann irgendwie) auf unserem Balkon, um die Abfahrt zu erleben. Der Moment war schon ein bisschen emotional. Schließlich hatten wir uns so lange auf diese Reise gefreut und nun sollte es wirklich losgehen. Die Midnatsol ließ ihr Horn ertönen und wir legten zum ersten Mal ab. Nicht lange nach dem Ablegen sind wir dann todmüde ins Bett gefallen. Das war doch ein recht langer, aufregender Tag.
Zuerst ließ mich die Geräuschkulisse nicht einschlafen. Der Motor, der nur wenige Etagen unter uns lag machte einen Höllenlärm. Thomas schlief selig und ich wälzte mich herum. Ich war echt frustriert. Sollte unser Traumurlaub nun zum Albtraum werden?

22.09.2010
Den Halt in Floro in der Nacht, genauso wie das Treffen mit der Vesteralen um ca. 6.30 Uhr haben wir knapp verschlafen.
Bei der Durchfahrt unter der Maloybrücke hindurch standen wir auf unserem Balkon und genossen trotz ziemlich bedecktem Himmel die Landschaft. Nach dem Anlegen in Maloy um 6.45 Uhr machten wir uns auf zum frühstücken. Das Frühstücksbuffet ließ, genau wie das Buffet am Abend vorher, keine Wünsche offen. Auch hier kalte und warme Speisen, hart- oder weichgekochte Eier, verschiedene Brotsorten und Brötchen, außerdem diverse verschiedene Müsliarten. Während wir frühstückten legte die Midnatsol in Maloy ab. Da das Wetter inzwischen nicht mehr nur grau, sondern auch noch regnerisch war, suchten wir uns im Panoramasalon Plätze ganz vorne an der großen Fensterfront. Von hier aus hatten wir einen guten überblick über die vor uns liegende Landschaft. Gegen 8.10 Uhr kam eine Durchsage von Hild Hagen, dass wir nun die erste offene Meeresstrecke, das Stadthavet, überqueren würden. Sie sagte allerdings auch, dass es nicht sehr schlimm werden würde, da es kaum windig sei und der Wind auch noch aus einer guten Richtung kommen würde. Jetzt, im Nachhinein, weiß ich, dass mich das Geschaukel nur so mitnahm, weil ich noch nicht daran gewöhnt war. Damals dachte ich: „Wenn das hier nicht so schlimm ist, dann möchte ich „richtig schlimm“ nicht erleben…“. Kurz vor Torvik wurde es dann besser; Thomas hat sich trotzdem eine Runde ins Bett verzogen, und ich mich aufs Deck 6. Zum Anlegen gegen 10.15 Uhr stand ich also das erste Mal auf dieser Fahrt, auf Deck 6 um beim An- und Ablegen zuzuschauen. War schon interessant zu sehen, wie die große Midnatsol sich an den kleinen Anleger schiebt. Was ich ganz besonders „bewundernswert“ fand war die Ruhe mit der einige unserer Passagiere echt weit ins örtchen hinein liefen. Wir hatten nur eine halbe Stunde Aufenthalt (das kam mir zu dem Zeitpunkt noch entsetzlich kurz vor; später wussten auch wir, dass eine halbe Stunde durchaus für einen kleinen Spaziergang reicht). Nachdem wir Torvik verlassen hatten fuhren wir weiter durch diese wunderschöne Landschaft, an der man sich gar nicht satt sehen kann. Um 11.30 Uhr ging es dann pünktlich zum Mittagsbuffet, da wir um 12.00 Uhr los wollten um alesund zu erkunden. Das Mittagsbuffet war, genau wie die Mahlzeiten vorher hervorragend. Und so sollte es auch die gesamte Fahrt weitergehen. Ich schwöre, wenn ich mir den Teller zuhause zum Mittag so voll packen würde wie hier, dann würde ich das nicht aufessen können. Und schon gar nicht würde ich mir dann auch noch so einen vollen Nachtischteller holen. Aber hier… Essen ging immer… Und es schmeckte einfach nur sooooo lecker…
Wir machten uns also auf zum Mittagsbuffet und setzten uns nun auch zum ersten Mal an „unseren“ Tisch 11. Dieser war uns beim Einchecken zugewiesen worden. Das Kärtchen zeigte uns, dass wir zwei Tischnachbarn haben würden, die die Kabine 701 bewohnen. Kurz nachdem wir uns mit unseren Tellern hingesetzt hatten und Getränke bestellt hatten, stießen die beiden dann auch schon zu uns. Wie wir über die gesamte Reise mehr und mehr merken sollten, handelte es sich um wirklich super nette Menschen aus Neustadt. Beide um die 70/75 Jahre alt. Wir haben uns wirklich ausgezeichnet verstanden.
Als wir alesund erreichten regnete es leider noch immer. Wir haben also versucht dem wirklich fiesen Nieselregen zu trotzen, haben aber nach ca. einer Stunde aufgegeben. So sehr viel gab es dort eh nicht zu sehen. Wir haben uns von außen die alesund Kirche, die 1909 gebaut wurde angesehen. Leider war sie geschlossen, so dass wir sie nicht besichtigen konnten.
Gegen 13.30 Uhr machten wir es uns also wieder mit Hörbuch und Buch im Panoramasalon gemütlich um von dort auch die Abfahrt um 15.00 Uhr zu beobachten. Thomas blieb auch den ganzen Nachmittag im Panoramasalon, wo ich ihn immer mal wieder besuchte, wenn ich mich aufwärmen musste. Ich drehte den ganzen Nachmittag mit der Kamera meine Runden auf Deck 6. An Deck 6 ist sehr angenehm, dass man einmal um das gesamte Schiff herumlaufen kann. Man hat also alles im Blick.
Gegen 17.30 Uhr liefen wir in Molde ein und sahen natürlich auch sofort den Glaspalast des Rica Hotels. Nicht sehr schön, wie wir fanden. Wir beschlossen, das Schiff nicht zu verlassen, da uns einmal nass werden am Tag reicht.
Um 18.30 Uhr ging es zum ersten Mal zum Abendessen nicht in Buffetform. Vor dem 3-Gang-Menü hatte ich ehrlich gesagt etwas Angst, da ich meistens ja nicht so sehr viel esse. Die Portionen waren aber wirklich gut. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Richtig angenehm. Uns wurde als Vorspeise Klippfischbolinhos mit Tomatensalat serviert, als Hauptgang bekamen wir Hühnchen mit Gemüserisotto, Paprikasauce und Linsenragout und als Nachspeise gab es warmen Apfelkuchen mit Vanilleeis.
Pünktlich um 19.30 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Deck 6 um die südwärtsgehende Nordkapp zu begrüßen, die gegen 19.40 Uhr an uns vorbeifuhr. Da es danach wieder auf eine offene Strecke ging, die Hustadvika, und man schon merkte, dass die See rau wurde, gingen wir lieber ins Bett.

23.09.2010
Nach einer ruhigen Nacht, in der wir wesentlich besser geschlafen haben als in der ersten Nacht, erreichten wir bereits morgens um 6.00 Uhr Trondheim. Kristiansund am Abend zuvor haben wir glatt verschlafen. Bei uns hinten am Heck hört man vom An- und Ablegemanöver und vom Be- und Entladen wirklich gar nichts. Nach einem ausgiebigen Frühstück gingen wir los um auf eigene Faust Trondheim zu besichtigen. Auf dem Weg haben wir uns noch von außen die Nordnorge angeschaut. An Bord sind wir allerdings leider nicht erst gegangen. Im Nachhinein total blöd…
Unser Stadtrundgang durch Trondheim führte uns vorbei an wunderschönen Holzhäusern zunächst zum Nidras-Dom. Da allerdings auch gerade mehrere geführte Gruppen den Dom betraten haben wir uns die Besichtigung von Innen geschenkt. Weiter ging es durch die Stadt bis zu einem der größten Holzhäuser Norwegens, dem Stiftsgarden. Dort wohnt auch die Königsfamilie wenn sie in der Stadt ist. Das Wetter war uns einigermaßen wohlgesonnen: Bedeckt und wirklich kalt, aber trocken. Einen Halt legten wir in einer Buchhandlung ein, wo wir uns noch mit Bücher bzw. Zeitschriften versorgten, da uns der Lesestoff doch anfing auszugehen. Gerade rechtzeitig, um das Ablegen der Nordnorge zu beobachten kamen wir zum Kai zurück. So blieben wir natürlich stehen um zuzuschauen.
Während wir später beim Mittag saßen legte um 12.00 Uhr dann auch die Midnatsol ab, um ihren Kurs nach Norden fortzusetzen. Zunächst ging es vorbei an der Mönchsinsel. Die Mönchsinsel Munkholmen ist eine kleine, unter Denkmalschutz stehende Insel vor Trondheim im Trondheimfjord.
Gegen 13.00 Uhr bot sich uns noch ein ganz besonderes Schauspiel. Norwegens „Fliegende ärzte“ bzw. deren Hubschrauberpiloten sollten eine übung machen. Landen auf einem fahrenden Schiff. Da die Midnatsol über ein Hubschrauberdeck verfügt, wurden wir auserkoren, um dem Schauspiel beizuwohnen. Es war wirklich super interessant zu beobachten, wie der Hubschrauber auf dem fahrenden Schiff landet und später wieder abhebt. Der Pilot hat es richtig gut hinbekommen.
An diesem Nachmittag hatten wir Glück mit dem Wetter. Zwischen Regenschauern und dunklen Wolken blitzte immer mal wieder die Sonne hervor. Bei schönem Wetter sind die Landschaften an den wir vorbeifahren gleich noch traumhafter anzusehen. Ich verbrachte wieder die meiste Zeit an Deck 6, auch um die Vorbeifahrt am Leuchtturm Kjeungskjær Fyr, der als einer der schönsten Leuchttürme Norwegens gilt, nicht zu verpassen. Gegen 14.20 Uhr tauchte er an unserer linken Seite auf. Kurze Zeit später wurden wir mit einem traumhaft schönen Regenbogen belohnt, der ganz plötzlich vor uns auftauchte. Er wurde immer stärker und irgendwann konnte man beide Enden sehen, die beide im Fjord vor uns verschwanden. Der Regenbogen schien zum greifen nahe.
Gegen 16.20 Uhr fuhren wir in den Stokksundet ein. Der Stokksundet hat so eine enge Kurve, dass das Schiff Signal geben muss bevor es sie umfährt, um sich für den Gegenverkehr bemerkbar zu machen. Jetzt wurde es das erste Mal voll vorne auf Deck 6, denn diese Durchfahrt wollte sich anscheinend keiner entgehen lassen. Dies war der Zeitpunkt, bei dem ich etwas lernte. Normalerweise sind eine Handvoll Leute auf Deck 6. Kommt aber eine Durchsage der Reiseleitung, dass es etwas besonderes zu sehen gibt, dann sichert plötzlich rechtzeitiges Erscheinen die besten Plätze. Diesmal gab ich mich geschlagen und rannte zu unserer Kabine. Wozu haben wir schließlich einen Balkon? Ganz entspannt konnte ich die Durchfahrt dann nach hinten raus erleben. Aber, für das nächste Mal werde ich vorbereitet sein.
Gegen 18.15 Uhr, pünktlich zum Abendessen fingen wir an Folda, eine offene Seestrecke zu überqueren. Es schaukelte ganz ordentlich, aber wir kamen gut damit zurecht. Zum Abendessen gab es heute Blumenkohlsuppe mit geröstetem Pökelschinken, danach (versalzene) Forelle im Kräuterbett gebacken, mit Fenchel, Miesmuscheln, Rahmspinat und Amandine-Kartoffeln. Zum Nachtisch gab es Schokoladenfondant mit Mangosorbet. Heute beschlossen unser Tischnachbar und ich, dass Fisch auch auf dieser Reise nichts für uns ist und bestellten um auf das Fleischgericht. War überhaupt kein Problem und von nun an bekamen wir immer etwas anderes wenn seine Frau und Thomas Fisch aßen.
Gegen 21.00 Uhr trafen wir in Rorvik die südwärtsgehende Polarlys. Noch schnell ein paar Fotos vom Deck 6 aus geschossen und dann ging es auch schon ins Bett.

24.09.2010
Heute hieß es früh aufstehen, da wir den Ausflug zum Svartisen-Gletscher gebucht hatten. Wir gingen gegen 7.10 Uhr mit Kameras zum Frühstück. Wir sind fest davon ausgegangen, dass die überquerung des Polarkreises rechtzeitig angekündigt werden würde und wir genug Zeit hätten dann aufs Deck 6 zu laufen. Weit gefehlt… Plötzlich meinte Thomas: „Schau mal da. War das nicht der Globus?“ Ich drehte mich um, und richtig. Wir waren über den nördlichen Polarkreis gefahren und haben es verpasst. *grummel* Am nächsten Tag, bei der Polarkreistaufe sollten wir dann erfahren, dass wir den nördlichen Polarkreis um genau 7:21:56 überquert haben.
Das Treffen mit der Nordlys verpassten wir, da wir uns um 8.20 Uhr auf Deck 4 an der Rezeption einfanden um gemeinsam mit den Mitausflüglern zum Deck 3 (Autodeck) geleitet zu werden. Neben der Midnatsol hielt das Ausflugsboot und wir konnten während der Fahrt über eine Gangway die Schiffe wechseln. Hat alles super geklappt. Schnell waren Thomas und ich froh, dass wir die dicken Regensachen angezogen hatten. Es regnete zwar nicht, aber der Wind war eisig kalt. Viele verzogen sich unter Deck, wo man allerdings nicht besonders gut schauen und fotografieren konnte. Wir konnten Dank der guten Sachen an Deck bleiben und die herrliche Fahrt zum Svartisen genießen. Svartisen (schwarzes Eis) ist mit 370 km² der zweitgrößte Gletscher Norwegens. Nach ca. einer Stunde Fahrt kamen wir im Hafen an und konnten den ca. 1,2 km langen Weg zum See entweder zu Fuß oder mit dem Bus zurücklegen. Wir entschieden uns fürs laufen. Nun trennte uns nur noch der See vom Gletscher. War schon beeindruckend anzusehen, aber in unseren Augen nicht so besonders, dass wir den Ausflug nur wegen des Gletschers nun unbedingt empfehlen würden. Das eigentlich tolle war die Bootsfahrt durch die wundeschöne Landschaft, die nun noch einmal einen näher kam, als mit der Midnatsol. Auf dem Rückweg vom Svartisen nach Bodo hatten wir das Glück Seeadler in freier Wildbahn zu beobachten. Wir haben erfahren, dass die Bootsführer die Möwen mit Fisch oder Brot anlocken, da die Seeadler dann neugierig werden, wenn so viele Möwen ein Boot umschwärmen und auch kommen. Und es klappte tatsächlich. Die wunderschönen Tiere so nahe zu sehen war wirklich ein Highlight. Als wir in den Hafen von Bodo einliefen hatten wir dann auch noch das Glück Militärflugzeuge bei ihren übungsflügen zu beobachten. In Bodo ist eine Nato-Basis stationiert.
Gegen 14.30 Uhr bestiegen wir die Midnatsol wieder über das Deck 3 und legten uns nach einer ausgiebigen Dusche erstmal für ein paar Stunden ins Bett. Der Ausflug war toll, aber auch anstrengend. Von der überquerung des Vestfjordes haben wir wenig mitbekommen.
Nach dem Abendessen (Meeresfrüchtecocktail nach Vestfjord Art auf Bruschetta mit Salat bzw. Rentierschinken auf Bruschetta mit Salat; Würzige Schweinerippchen mit Apfelchutney, Rotkohl, Portweinsauce und gebackene Amandine-Kartoffeln; Verschleierte Bauernmädchen – Apfelmus gedeckt mit knusprig gerösteten Krümeln und Schlagsahne mit Karamellsauce) beobachteten wir das Ablegen in Stamsund und warteten dann auf das Treffen mit der Richard With, welches gegen 20.15 Uhr stattfinden sollte. Kurz vor Svolvaer trafen wir sie dann und Hild beglückte uns mit der Durchsage, dass wir heute gegen 23.30 Uhr in den Trollfjord einfahren würden. Hui… nun hieß es durchhalten, denn das wollten wir uns natürlich auf keinen Fall entgehen lassen.
Wir machten es uns für einige Zeit im Panoramasalon gemütlich, bis es Zeit wurde sich vorne auf Deck 6 zu begeben (rechtzeitiges Erscheinen usw…..). Wir standen also um 22.50 Uhr vorne an Deck 6 und froren ganz erbärmlich. Ich glaube, Thomas hätte mich am liebsten geköpft. Wie oft ich gehört habe: „Im Panoramasalon kann man auch ganz hervorragend schauen.“ Aber, wir hielten durch und es hat sich gelohnt (fand Thomas hinterher auch). Kurz bevor wir in den Trollfjord einbogen hatten wir auch noch das Glück das Nordpolarlicht zu sehen. Da wo wir standen konnte man nur einen ganz blassen Streifen sehen, aber es war einfach nur wundervoll. Unser allererstes Polarlicht! Wir waren Hin und Weg. Und dann die nächtliche Fahrt durch den engen Trollfjord, der von der Midnatsol mit zwei Scheinwerfern angeleuchtet wurde. Einfach nur ein Traum. Wir standen vorne am Bug, hielten uns an den Händen und haben genossen. Das Erlebnis kann man einfach nicht beschreiben, wenn man es nicht erlebt hat. Die hohen Gebirgswände zum greifen nahe. Und die Midnatsol, die sich am Ende einmal um die eigene Achse dreht. WOW!
Hild machte noch die Ansage, dass sich auch die Durchfahrt durch den Raftsund lohnen würde, aber wir waren nun doch zu müde und machten uns auf den Weg ins Bett.

25.09.2010
Das Anlegen in Harstad haben wir verschlafen. Gegen 7.30 Uhr sprangen wir wie von der Tarantel gestochen aus dem Bett, weil wir doch unbedingt die Nordstjernen besichtigen wollten. Raus auf den Balkon, keine Nordstjernen weit und breit. Fernseher angemacht, Kamera nach vorne – keine Nordstjernen zu sehen. Okay, hatten wir sie wohl verpasst. Nach einem ausgiebigen Frühstück schipperten wir um 8.00 Uhr aus dem Hafen von Harstad hinaus und um ca. 8.10 Uhr an der Nordstjernen vorbei. Sie war wohl etwas spät dran.

Morgens um 10.15 Uhr war erstmal die Polarkreistaufe angesetzt. Viele fanden sich auf Deck 9 ein um Neptun zu empfangen. Die Polarkreistaufe hatten sie wirklich nett gemacht, auch wenn Thomas und ich uns gedrückt haben. Wir haben lieber nur zugeschaut, als uns Eiswürfel in den Nacken gießen zu lassen. Das Zertifikat haben wir trotzdem erhalten.
Finnsnes haben wir nur vom Fenster des Restaurants aus gesehen. Da saßen wir gerade beim Mittagessen.
Bis wir um 14.30 Uhr in Tromsö einliefen, verbrachten wir den Tag ganz ruhig im Panoramasalon. Ein bisschen lesen, Postkarten schreiben, im Internet surfen.
Tromsö erreichten wir leider mal wieder im Regen. Wir sind zwar kurz ausgestiegen, aber da die Stadt auf den ersten Blick auch nicht wirklich viel zu bieten hat und uns der Weg zur Eismeerkathedrale zu weit war, dafür, dass sie um diese Zeit geschlossen ist, stiegen wir schnell wieder ins warme Schiff ein und machten es uns auf unserer Kabine gemütlich.
Zum Abendessen gab es heute Grüne Erbensuppe mit knusprig gebratenem Speck und Sahneschaum (sehr lecker); Seelachsrücken mit in Thymian gebackenen Zwiebeln, pfannengebratene Minikartoffeln, Brechbohnen und Sauerrahmsauce bzw. Steak mit Kartoffeln; Konfektkuchen mit Kokossorbet.
Gegen 20.00 Uhr fing es plötzlich richtig schlimm an zu schaukeln. Da wir das allerdings anscheinend beide gut abkonnten, fanden wir uns pünktlich auf Deck 6 ein, um gegen 21.00 Uhr die Trollfjord, das Schwesternschiff der Midnatsol zu begrüßen. Mit großem Hallo wurden Handtücher geschwenkt und die Trollfjord ließ ihre Bugscheinwerfer erstrahlen. Etwa eine halbe Stunde später machten wir uns nach einem wirklich geruhsamen Tag mit wenig Action, aber viel lesen auf den Weg ins Bett.

26.09.2010
Wir hatten eine bescheidene Nacht! Ich noch mehr als Thomas der diesmal mit dem Wellengang keine wirklichen Probleme hatte. Mir war einfach nur noch schlecht und sterbenselend. Als wir in Hammerfest anlegten war ich zwar wach, aber das war mir mal so was von egal. Gegen 7.00 Uhr habe ich mich durchgerungen zwei Tabletten gegen Seekrankheit zu nehmen und mich noch mal hingelegt. Thomas schläft eh gerne länger, der hat sich also noch mal mit umgedreht. Als ich gegen 9.00 Uhr wieder aufwachte ging es mir gut, und ich hatte einen Bärenhunger. Also, auf zum Frühstück. Während des Frühstücks passierte uns die südgehende Kong Harald, aber für die hatte ich nur einen Blick durchs Fenster übrig. Der Hunger war stärker…
Noch während des Frühstücks legten wir in Havoysund an und auch wieder ab. Das Wetter zeigte sich mal wieder bedeckt, aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass es irgendwann besser wird. Wir erreichten mit 15 Minuten Verspätung Honningsvag. Ob es daran lag, dass Sonntag war, oder daran, dass alle Städte hier wie ausgestorben wirken kann ich nicht sagen, aber Honningsvag war genauso unspektakulär wie auch schon die vorherigen Städte. Auch hier machten wir nur einen ganz kurzen Abstecher in die Stadt, besichtigten die Kirche von außen und flüchteten dann aber bald vor dem einsetzenden Regen auf die Midnatsol. Da die Ausflügler zum Nordkapp mit 15 Minuten Verspätung wieder eintrudelten legten wir mit Verspätung ab.
Gegen 16.35 Uhr passierten wir den Svaerholtsklubben bei immer noch stark bewegter See. Die Vögel sind allerdings eh schon gen Süden gezogen, so dass es hier auch nichts zu sehen gab. Um ca. 17.31 Uhr ging es dann vorbei an der Finnkjerka. Die Gesteinsformation ist wirklich super schön. Die Finnkjerka gehört zu den schönsten Gesteinsformationen Norwegens und ist wie eine Kathedrale geformt.
Nun wurde auch endlich die See ruhiger, da wir uns wieder zwischen zwei Gebirgsketten befanden. Gegen 17.45 Uhr legten wir in Kjollefjord an, wo wir auf der linken Seite das restaurierte Foldasbruket erblicken konnten. Das Foldasbruket war früher eine Fischannahmestelle mit Trankocherei. Heute ist dieses Gebäude ein Museum in dem gezeigt wird wie die Fischindustrie funktionierte.
Mehamn um 20.00 Uhr haben wir nur vom Restaurant aus gesehen. Da saßen wir beim
Nordkappbuffet, was wohl eigentlich was ganz Spezielles sein soll. Naja… vielleicht ist es das für Fischesser. Für mich als Fleischesser war nicht wirklich was zu finden, da es sich bei dem einzigen Fleischgericht dann auch noch um Lamm handelte. Das war der erste Abend, an dem ich vom Essen wirklich enttäuscht war.
Da die See zunehmend unruhiger wurde gingen wir zeitig ins Bett, so dass wir das Treffen mit der Lofoten verschliefen. Berlevag ließ der Kapitän aus, um unsere Verspätung wieder aufzuholen. Wir hatten hier weder Passagiere noch Ladung ein- oder auszuladen, so bot sich das an.

27.09.2010
Gegen 7.24 Uhr schlug ich die Augen auf und mir ging es richtig gut. Anscheinend hatte ich mich an den Wellengang inzwischen gewöhnt. Ich sprang aus dem Bett, rauf auf den Balkon und sah: Strahlenden Sonnenschein! Wie herrlich! Wir liegen in Vadso am Kai und die Sonne strahlt vom Himmel. Schnell ein paar Fotos gemacht und wieder rein zum waschen und anziehen. Bereits kurze Zeit später, um 7.30 Uhr, ging es schon wieder weiter in Richtung Kirkenes. Auf dieser Fahrt durften wir allerdings mal wieder ordentlichen Seegang erleben. Aber inzwischen hatten wir uns beide so gut daran gewöhnt, dass es uns wirklich nichts mehr ausmachte. In Kirkenes angekommen machten wir uns zu Fuß auf den Weg in den Ort. Auch hier war mal wieder alles ziemlich ausgestorben. Wir sind ein bisschen durch den Ort geschlendert, vorbei an der Andersgrotte, die man allerdings nur im Rahmen einer Führung besichtigen kann, runter zum Hafen. Rechtzeitig machten wir uns dann aber wieder auf den Weg Richtung Schiff, da wir zum Mittagessen wollten. Den Nachmittag haben wir lesend und ein bisschen vom Balkon aus schauend in unserer Kabine verbracht, bis wir gegen 16.00 Uhr am Vardo Leuchtfeuer vorbeifuhren, welches natürlich fotografiert werden musste. Das Vardo Leuchtfeuer liegt auf der Insel Hornoy und ist Norwegens östlichstes Leuchtfeuer. Gebaut wurde es im Jahr 1896.
Auf der linken Seite konnten wir dann auch schon die große Antenne des Radarsystems Globus II sehen. Globus II ist ein gemeinsames Projekt des norwegischen Nachrichtendienstes und der US Air Force Space Command. Um 16.15 Uhr legten wir in Vardo an und wir strömten mit gefühlt ca. 300 anderen Menschen zur „Vardohus Festung“. Hatte echt etwas von Massenauflauf, was jetzt aber nicht so arg schlimm war. Was uns aber sehr gestört hat war, dass sich doch recht viele Besucher die Festung angeschaut haben, ohne den Eintritt zu zahlen. Der Eintrittspreis von 30 Kronen sollte am Eingang in einen Kasten geworfen werden und zu übersehen war dieser Kasten nun wirklich nicht. Es gibt also keine Ausrede. Aber, blöde Leute gibt es immer…
Die Festung an sich war wirklich interessant. In einem Häuschen konnte man sich die verschiedenen Uniformen über die Zeiten anschauen. Vardo ist wirklich ein super schönes kleines Städtchen und hat uns bisher von allen Orten die wir auf dieser Reise gesehen haben am Besten gefallen. Hier wären wir gerne länger geblieben, aber leider legte die Midnatsol um 17.15 Uhr schon wieder ab. Wir mussten also schnell wieder an Bord, den schließlich wollten wir wieder weiter mit. Ganz spontan haben wir heute noch beschlossen die Seeadlersafari zu buchen und auch noch zwei Plätze bekommen.
Nach dem Abendessen mit Norwegischer Fischcremesuppe bzw. Klarer Suppe; Rentiersteak mit würziger Wurst, serviert mit Pilz-Apfel-Bacon-Ragout, cremiger Wildsauce mit getrockneten Moosbeeren und Kartoffel-Selleriepüree; Moltebeeren aus der Finnmark unter Sauerrahm, serviert mit knusprigem Gebäck, ging es dann auch schnell ins Bett, da wir am nächsten Tag den Nordkapp-Ausflug mit Frühstück gebucht hatten und diese Tour schon um 6.00 Uhr abfuhr.

28.09.2010
Batsfjord und Berlevag, sowie das Treffen mit der Vesteralen haben wir verschlafen. Gegen 5.30 Uhr saßen wir warm angezogen auf Deck 5 und genehmigten uns erstmal einen Kaffee und ein Rosinenbrötchen. Pünktlich um 6.00 Uhr ging es los. Mit dem Bus hinauf bis zum Nordkapp. Nachdem wir gegen 6.50 Uhr das Nordkapp erreichten strömte die Hälfte der Mannschaft sofort zum Frühstücksbuffet. Wir machten uns auf den Weg um zuerst den 15minütigen Film anzuschauen, der wirklich sehr interessant war und danach gingen wir zum Globus. Jetzt hatte sich die Masse schon verzogen und wir konnten ein paar Fotos ohne fremde Menschen drauf machen. Ist schon ein tolles Gefühl da am Nordkapp zu stehen. Einmal im Leben muss man das echt gemacht haben. Mit dem Wetter hatten wir richtig Glück. Während wir am Globus standen klarte es etwas auf, so dass man richtig gut schauen konnte. Nun machten auch wir uns auf den Weg in das Gebäude. Schnell ein paar Postkarten gekauft, die ich dann während des Frühstücks schrieb. Danach sind wir noch mal raus und haben uns noch das Monument Barn av jorden (Kinder der Welt) angeschaut. Es handelt sich dabei um ein 1989 geschaffenes Monument von sieben Kindern aus verschiedenen Ländern der Welt als Symbol für Freundschaft, Hoffnung, Zusammenarbeit und Freude.
Gegen 9.00 Uhr ging es weiter. Wir mussten ja bis zum Ablegen um 12.45 Uhr in Hammerfest sein. Unser Reiseleiter auf dieser Tour war ein Deutscher, der nach Norwegen ausgewandert ist. Er hat uns wirklich viel über die Landschaft, die Rentiere und das Leben allgemein in Norwegen erzählt.
Kurz nach der Abfahrt vom Nordkapp hielten wir bei einer Samen-Familie. Mir hat das ehrlich gesagt nicht so gefallen, da das natürlich nur auf Touristen ausgelegt ist. Naja… wir warteten bis alle Nils Somby und sein Rentier (wir nannten es mangels Namen einfach Horst) bewundert hatten und dann ging es weiter. Auf dem weiteren Weg über die Insel Mageroya erfuhren wir viel über das Leben der Samen. Nachdem wir Mageroya verlassen hatten und wieder auf dem Festland waren bekamen wir dann auch viele freilaufende Rentiere zu sehen. Das war schon echt toll! Einmal mussten wir sogar anhalten, wie die Viecher nicht gedachten die Straße zu räumen. Angst vor Autos kennen die nicht so wirklich. Dabei erfuhren wir dann auch, dass man es tunlichst vermeiden sollte ein Rentier umzufahren, sonst ist man schnell mal 10.000 NOK los. Kurz vor Hammerfest hatten wir dann auch noch das Glück einen Seeadler zu sehen, der gar nicht so hoch oben am Himmel seine Kreise drehte.
Gegen 12.00 Uhr erreichten wir sehr pünktlich Hammerfest und schauten noch ganz kurz im Eisbärenclub vorbei, ohne allerdings Mitglied zu werden. Danach ging es zum Mittagessen.
Da nachts noch das Mitternachtskonzert anstand haben wir den Nachmittag ganz entspannt in unserer Kabine mit schlafen und im Internet surfen verbracht. Zum Abendessen gab es heute Brie auf Toast, mit Feigensirup und Salat; Eismeersaibling mit Sauce Hollandaise, Spargel und Roswald-Kartoffeln bzw. Schweinespieß auf Reis mit einer süß-sauren Sauce; Käsekuchen mit Waldbeerenkompott.
Nach Ankunft in Skjervoy gegen 19.00 Uhr sind wir noch mal kurz ausgestiegen und haben uns die Beine vertreten. Gegen 19.45 Uhr ging es weiter.
Da wir nicht erst ins Bett wollten, habe ich um 21.00 Uhr dann auch die Nordnorge begrüßt. Thomas war es zu kalt, der ist lieber drinnen geblieben.
Um 23.59 stiegen wir alle in drei Busse, die uns zum Konzert in die Eismeerkathedrale brachten. Es war fantastisch! Die beiden Sängerinnen hatten tolle Stimmen und dann in dieser wunderschönen Kirche. Es fügte sich alles ganz großartig zusammen. Wir haben das Konzert wirklich von der ersten bis zur letzten Minute genossen. Als wir gegen 1.15 Uhr dann wieder auf der Midnatsol ankamen fielen wir allerdings nur noch ins Bett und waren sofort eingeschlafen. Das Ablegen haben wir schon nicht mehr mitbekommen.

29.09.2010
Das Erste, was ich heute beim Aufstehen bemerkte war, dass die Postflagge falsch herum aufgezogen worden war. Die sollte auch den ganzen Tag so falsch rum hängen bleiben. Naja… macht ja nichts.
Ich stand etwa gegen Viertel vor Acht auf und habe mich dann leise angezogen. Draußen strahlte mir wieder herrlicher Sonnenschein entgegen und ich machte mich auf zum Deck 6. Nach einem kurzen Abstecher zum Deck 6 bin ich dann erstmal frühstücken gegangen. Pünktlich um 9.00 Uhr stand ich wieder vorne auf Deck 6, da wir durch den engen Toppsund fahren sollten. Thomas hat noch bis halb Zehn geschlafen und hat dann auch alleine gefrühstückt. Um 10.15 Uhr standen wir dann gemeinsam vorne um die Einfahrt in den engen Risoysund zu beobachten. Die Risoyrinne ist fast 5 km lang und lediglich 6 m tief. Unser Schiff musste also langsam fahren, damit es das Wasser nicht verdrängt, da wir bei 6 m Wassertiefe nur gut 1 m Wasser unter dem Schiff haben. Gut Kurs gehalten werden musste auch, denn die Rinne ist nur 50 m breit. Aber, sie haben das perfekt hinbekommen und um 10.45 Uhr legten wir glücklich in Risoyhamn an. Nachdem wir auch das Ablegen beobachtet hatten machten wir uns auf den Weg zu unserem aufregendsten Mittagessen an Bord. Gleich zu Anfang hat unser Trainee-Kellner versucht Thomas meine Pepsi überzuschütten. Zu seiner Ehrenrettung muss man sagen, dass es keine Absicht war. Er hatte die Pepsi auf einem Tablett stehen und plötzlich machte das Schiff einen kleinen Schlenker. Das hätte niemand ausgleichen können. Aber von da an brachte er die Pepsi immer ohne Tablett. Wir haben dann gut gegessen. Während ich beim Nachtisch saß redete ich mit meinem Gegenüber, den Löffel in der erhobenen Hand und plötzlich merkte ich, dass mir jemand den vollen Nachtischteller unterm Löffel wegziehen wollte. Ich war mal so „dreist“ und hab ihn festgehalten und ihn angelächelt. War unserem Trainee sichtlich peinlich, das merkte man. Tat mir ja auch leid, aber ich wollte das schon gerne noch aufessen. Ab diesem Tag hat er, selbst wenn alle unsere Teller sichtlich leer waren immer gefragt ob wir fertig sind. Naja… alles in allem hat er seine Sache aber wirklich gut gemacht.
Sortland passierten wir während des Mittagessens und weiter ging es nach Storkmarknes. Darauf freuten wir uns schon besonders, da wir die alte Finnmarken besichtigen wollten. Nach der Ankunft um 14.15 Uhr machten wir uns sofort auf den Weg rüber und nicht, wie die anderen erst ins Museum, sondern direkt zum Schiff. War gut so, denn als es voll wurde waren wir schon fast durch. Die Besichtigung hat sich wirklich gelohnt. Ich fand auch nicht unbedingt, dass sie ungepflegt oder vernachlässigt wirkt. Man sieht halt, dass daran noch gearbeitet wird.
Nachdem wir m 15.15 Uhr abgelegt hatten hieß es dann auch schon fertig machen für die Seeadler-Safari. Im Raftsund wurden wir gegen 16.25 Uhr über Deck 3 auf die Orca gebracht. Zunächst folgten wir der Midnatsol, um sie dann rechts zu überholen und vor ihr in den Trollfjord zu fahren. Das alleine war schon ein Schauspiel. Aber, als dann die Midnatsol kam und sich durch den Trollfjord bewegte, das war noch mal ein Schauspiel der Sonderklasse. Nun konnte man auch gut beobachten, wie sie am Ende des Fjords auf der Stelle dreht. Einfach Klasse! Alleine dafür hätte sich das schon gelohnt. Weiter ging es dann zur „Jagd“ auf die Seeadler. Wir bekamen wirklich viele von ihnen zu Gesicht und vor die Linse und sie kamen auch sehr dicht an das Boot heran. Es war einfach ein ganz besonderes Erlebnis.
Um 18.35 Uhr bestiegen wir in Svolvær wieder unser Schiff zur Weiterreise. Zum Abendessen, zu dem wir nicht durch unsere Schuld, zu spät kamen, gab es: Kartoffel- und Porreesuppe mit Croutons und Trüffelöl; Dorschrücken mit Kartoffelmus, Buffe de Bourgogne, Erbsenpüree und Rucola bzw. Rentiersteak; Joghurt-Panna Cotta mit marinierten Kirschen.
Die Begegnung mit der Nordlys um 20.30 Uhr verpassten wir aufgrund akuter Müdigkeit.

30.09.2010
Die Orte Stamsund und ornes verpassten wir. Geweckt wurden wir kurz nach dem Ablegen in ornes mit einem herrlichen Sonnenaufgang um kurz nach Sieben. Vorbei ging es am Berg auf der Insel Rodoya. Der Berg ist eine Landmarke, da er wie ein liegender Löwe aussieht. Gegen 8.35 Uhr standen wir nach dem Frühstück auf Deck 6 und begrüßten die nordgehende Richard With und um ca. 9.20 Uhr passierten wir wieder den nördlichen Polarkreis und damit mussten wir unsere Hoffnung, dass wir noch einmal Polarlicht sehen würden, aufgeben. Gegen 12.30 Uhr erreichten wir Sandnessjoen. Da wir hier eine Stunde Aufenthalt hatten sind wir von Bord gegangen. Wir schlenderten die Straße hoch bis zu einer wirklich hübschen Kirche und langsam durch den Ort und am Wasser lang wieder zurück zum Schiff. Hier konnten wir auch endlich mal Fotos von der Midnatsol im Sonnenschein machen.
Nach der Abfahrt von Sandnessjoen tauchten dann auch schon bald die Sieben Schwestern links von uns auf. Mit der Sage zusammen ist die Felsformation ganz nett. Wir haben aber schon beeindruckendere Landschaften auf dieser Reise gesehen. Gegen 16.15 Uhr legten wir in Bronnoysund an, stiegen aber nicht aus. Wir beobachteten ein bisschen das Aus- und Einladen vom Deck 6 aus. Die Abfahrt von Bronnoysund war dann noch mal ein echtes Highlight. Wir fuhren so dicht an der Küste vorbei, dass man fast das Gefühl hatte den Leuten in den Gärten zu stehen. Die Sonne sorgte dafür, dass sich die Häuser gleichzeitig auch noch wundervoll im Wasser spiegelten. Es war einfach traumhaft!
Gegen 17.40 Uhr kamen wir am Berg Torghatten vorbei. Da man das Loch im Berg von unserer Route aus nicht so gut sehen konnte, fuhren wir einmal drum herum. Nachdem alle dann das Loch im Berg bewundert hatten ging es zurück auf die alte Route und wieder Richtung Rorvik. Auf Rorvik freuten wir uns ganz besonders, da dies unsere zweite Chance sein sollte die Nordstjernen zu besichtigen. Aber erst einmal ging es bei einem wundeschönen Sonnenuntergang zum Abendessen: Leicht geräucherter und marinierter Lachs mit einer Ziegenkäsecreme und Erbsenflachbrot bzw. Schinken auf Erbsenflachbrot; Rumpsteak vom Ochsen mit Gemüse, Rotweinsauce, Zwiebelkompott und Sahnekartoffeln; Eisbombe nach Art des Schiffes mit frischem Obstsalat.
Als wir um 20.30 Uhr in Rorvik anlegten war die Enttäuschung groß. Keine Nordstjernen zu sehen. Wir erfuhren dann aber, dass sie erst gegen 21.00 Uhr anlegen würde, also machten wir uns noch auf in den Ort. Pünktlich zum Anlegen standen wir aber wieder da. Das wollten wir auf keinen Fall verpassen. Ich glaube, wir alle staunten nicht schlecht, als die Nordstjernen plötzlich mitten im Hafen ihren Anker fallen ließ und sich am Anker herumzog. War schon sehr beeindruckend zu sehen wie sie anlegte. Nachdem die Passagiere von Bord gelassen worden waren ging es für uns an Bord. Das ist schon ein himmelweiter Unterschied. Kein Vergleich zu unserem Dampfer. Sie gefiel uns wirklich sehr gut, aber eine ganze 12-tägige Reise würden wir nicht mit ihr machen wollen, da waren wir uns einig. Vielleicht, wenn es sich irgendwann mal ergibt mal eine kleine Strecke über Tag. Da wir pünktlich um 21.30 Uhr ablegen wollten ging es schnell wieder an Bord unserer Midnatsol. Von unserem Balkon aus beobachteten wir, dass sich auch die Nordstjernen wieder auf die Reise machte. Noch einige Zeit standen wir gemeinsam draußen und beobachteten die kleiner werdende Ortschaft und den wunderschönen Halbmond, der über allem strahlte. Nach einem wundervollen Tag gingen wir recht zufrieden ins Bett.

01.10.2010
Als wir gegen 7.30 Uhr aufstanden lagen wir schon im Hafen von Trondheim. Als wir, wie immer, vor dem Waschen auf den Balkon gingen, erblickten wir die Trollfjord hinter uns liegen. Das hatten wir ja ganz vergessen. Heute trafen wir ja unser Schwesterschiff. Nun hieß es aber mal etwas zackig. Waschen, anziehen, frühstücken und dann ab rüber und die Trollfjord besichtigen. Begrüßt wurde Thomas, als er seine Bordkarte vorzeigte mit: „Right Card, wrong ship“ und einem Grinsen. Wir bekamen dann unsere Besucherkarten und los ging es. Ich muss sagen, dass wir wirklich begeistert waren. Die Trollfjord erscheint auf den ersten Blick liebevoller gepflegt und netter dekoriert, als die Midnatsol. Durch die Blautöne wirkt das Schiff zwar insgesamt kälter, aber auch eleganter und nicht so abgenutzt. Unsere hellen Teppichfarben sehen doch schon recht mitgenommen aus und an der einen oder anderen Stelle könnte die Midnatsol auch einen Eimer weiße Farbe gebrauchen. Sowohl die Durchsage des Reiseleiters, dass er vergessen habe das Wetter für heute durchzugeben, sich dafür entschuldigt und das jetzt nachholt, als auch das wesentlich umfangreichere Infomaterial begeisterte uns. Da merkt man erst richtig den Unterschied zu unserer leider nicht besonders motiviert wirkenden Hild… Es nützte alles nichts. Um 10.00 Uhr sollte es für uns mit der Midnatsol weitergehen. Wir gingen aber gerne auf unser Schiff zurück. Wir hatten sie doch lieb gewonnen, und dafür, dass die Mannschaft der Trollfjord ihr Schiff doch anscheinend etwas besser pflegt, dafür kann sie ja nichts.
Bei der Abfahrt um 10.00 Uhr kamen wir wieder an der Mönchsinsel vorbei und etwa eine Stunde später an der Werft in der die Midnatsol gebaut wurde. Da musste ich natürlich mit der Kamera losflitzen vom Panoramasalon wo wir inzwischen saßen aufs Deck 6 und Fotos machen.
Heute Mittag habe ich erstmal überlegt, wie ich unserem Trainee denn nun sein Trinkgeld zukommen lasse. Direkt geben war bereits einmal gescheitert, da er es treu und brav in die Trinkgeldschale am Eingang warf. Als, ab zu Hild und einen Notizzettel und eine Büroklammer organisiert. Dabei habe ich dann auch gleich nach der Anzahl der Rundreisepassagiere gefragt. Auf der Nordgehenden Route waren wir 487 Passagiere und auf der südgehenden 429. Auf unseren Zettel habe ich dann geschrieben „For Jorgen the Trainee. Thanks for the good work.“ und diesen dann an mein Scheinchen geklammert und in den besagten Korb geworfen. Wenn er es jetzt nicht bekommen hat, dann kann ich es auch nicht mehr ändern. Aber schade wäre es. Er hat sich nämlich echt von Tag zu Tag gesteigert und war wirklich knuffig. Auch wenn er heute Mittag versucht hat meine Bordkarte zu behalten. Nachdem ich für meine Pepsi unterschrieben hatte zockelte er wieder ab ohne mir meine Bordkarte zurückzugeben. Als er zum abräumen kam hab ich ihn dann gefragt, ob er sie vielleicht noch hat. Hatte er… in seiner Hemdtasche. Ups…
Gegen 16.15 Uhr errichten wir Kristiansund. Ein noch schöneres Städtchen als Vardo, aber leider hatten wir mit einer knappen Stunde Aufenthalt auch hier viel zu wenig Zeit. Um 17.00 Uhr ging es weiter. Da wir die Hustadvika überquerten schaukelte es beim Abendessen (Gebeiztes Rentierfleisch auf Salat Vogelbeerengelee; Lachs auf Heilbutt mit gebeiztem Lachs mit Basilikumsauce, gedämpftem Juliennegemüse und in Zitrone und Knoblauch gebackenen Amandine-Kartoffeln bzw. Hähnchenfleisch auf Reis; Beerensuppe mit Kräutercreme) ein wenig. Heute verbarg sich der Sonnenuntergang leider hinter einer einzelnen Wolke, so dass wir nichts verpassten.
Gegen 19.30 Uhr trafen wir die Kong Harald, die wir mit einem Hechtsprung hinaus auf Deck 6 gerade noch zu Gesicht bekamen. Die Kameras lagen natürlich in der Kabine.
Gegen 20.30 Uhr legten wir in Molde an wo wir uns noch auf einen kurzen Spaziergang machten. Nun neigte sich unser letzter Abend an Bord schon dem Ende zu. Wir hatten kurz den wehmütigen Gedanken, dass wir uns doch auf die Trollfjord hätten einschmuggeln sollen und einfach wieder mit nach Norden fahren.

02.10.2010
Nun ist der letzte Tag auf der Midnatsol angebrochen. Alesund haben wir verschlafen. Heute Morgen wurden wir bereits um 5.50 Uhr durch das Ablegemanöver in Maloy geweckt. Keine Ahnung, was die vorhatten, aber sie haben die Maschine ordentlich aufgedreht. Da wir nicht mehr wirklich einschlafen konnten sind wir dann gegen 6.45 Uhr aufgestanden und wurden mit einem wunderschönen Sonnenaufgang belohnt. Wir beobachteten ihn eine ganze Zeitlang, und als es aussah, als ob sich nicht mehr viel tun würde, da bin ich unter die Dusche gesprungen. Genau so lange, bis Thomas rief: „Komm raus, komm raus!“ Ich bin also mit Handtuch umgewickelt, Fleecejacke übergeworfen und Turnschuhen rausgestürmt. Nun wusste ich wozu ein Balkon gut ist, denn es muss ein Anblick für die Götter gewesen sein, den ich anderen doch lieber erspare. Aber es hat sich gelohnt. Der Himmel glühte in den schönsten Rottönen. Da ich auch noch den Blick vorne raus fotografieren wollte hab ich mich so schnell wie noch nie im Leben abgetrocknet, angezogen und bin raus auf Deck 6 um auch von dort noch zu fotografieren.
Nachdem wir unsere Koffer zu Ende gepackt hatten sind wir gemütlich zum Frühstück gegangen und haben gegen halb Zehn unsere Koffer zum nächstgelegenen Fahrstuhl gebracht. Ein bisschen mulmig war uns schon, da wir die beiden MacBooks im Koffer hatten, aber wir haben sie versucht ganz nach hinten zu stellen und es ist auch nichts passiert. Dann haben wir uns bis zum Mittagessen ein gemütliches (zum ersten Mal lautes) Plätzchen im Panoramasalon gesucht. Zwischendurch muss ich gestehen war ich echt genervt. Die Tage vorher waren so schön ruhig, auch in den Gemeinschaftsräumen, dass ich solch einen Lärmpegel gar nicht mehr so recht ertragen konnte. Ich gestehe, bis zum Mittagessen war ich an dem Punkt angekommen, dass ich einfach nur noch ankommen wollte. Beim Mittagessen haben wir trotz freier Platzwahl ein letztes Mal mit unseren Tischnachbarn an unserem Tisch Nr. 11 zusammen gesessen. Es war wirklich richtig nett. Als wir gegen 14.30 Uhr Bergen erreichten präsentierte sich der Himmel in Grautönen, so dass uns der Abschied nicht ganz so schwer fiel. Das Ausschiffen ging super zügig von statten und unseren Bus, der uns zum Strand Hotel bringen sollte fanden wir auch sofort.
Mit dem Strand Hotel hatten wir Glück. Es liegt direkt am Fischmarkt und wir haben eines der renovierten Zimmer bekommen. Unser Hotelzimmer war wirklich 1A mit Aussicht auf Bryggen und den Fischmarkt. Bei starkem Regen machten wir uns auf den Weg durch die Stadt. Wir schauten uns das Bryggen-Viertel an und wanderten einfach ein bisschen umher, bis der Regen so schlimm wurde, dass wir keine Lust hatten auf noch mehr nass werden. Wir suchten uns einen Tisch bei Peppes Pizza, wo wir wirklich super lecker gegessen haben und machten uns dann wieder auf den Weg ins Hotel.
Gegen 20.30 Uhr beschlossen wir, doch noch den Weg auf den Floyen zu wagen. Wir wollten noch einen letzten Blick von oben auf die Midnatsol werfen und, sofern sich das Wetter halten sollte (es war gerade trocken) auch das Ablegen von dort oben beobachten. Wir bekamen die Bahn um 21.00 Uhr und fuhren auf den Floyen hinauf. Von dort oben hat man wirklich einen tollen Blick über Bergen, aber da es wieder anfing in Strömen zu regnen machten wir uns schon nach 20 Minuten mit der Bahn um 21.30 Uhr wieder auf den Rückweg.

03.10.2010
Heute ging es auf den Rückweg nach Oslo. Der Bustransfer klappte wieder super. Wir saßen pünktlich um 10.28 Uhr im Zug und los ging die Fahrt. Da es leider die gesamte Zeit grau war und die meiste Zeit regnete war die Fahrt einfach nur langweilig. Wir waren froh, als wir gegen 17.00 Uhr in Oslo ankamen. Wir checkten ins Hotel Opera ein, bekamen unser Zimmer im 9. Stock und gingen nur noch schnell etwas essen und dann ins Bett.

04.10.2010
Heute schliefen wir bis 9.00 Uhr. Wir hatten vergessen den Wecker zu stellen und hatten den Schlaf anscheinend nötig. Schnell standen wir auf uns machten uns auf den Weg zum Frühstück. Nach einem ausgiebigen Frühstück checkten wir aus, stellten die Koffer an der Rezeption unter und machten uns auf den Weg auf die Oper. War wirklich beeindruckend und die Aussicht ist auch wirklich gut. Weiter ging es vorbei an der Festung und dem königlichen Schiff, der Norge und zurück durch die Stadt zu unserem Hotel, wo wir gegen 12.20 Uhr abgeholt wurden. Das Einchecken auf die Color Fantasy kann man nur als chaotisch bezeichnen. Irgendwann hatten wir endlich unsere Bordkarten und konnten unsere Kabine Nr. 702 auf Deck 11 aufsuchen. Wir hatten hier wieder Glück und bekamen wieder eine Außenkabine mit großem Fenster anstatt der gebuchten Innenkabine. Das war schon angenehm. Schnell packten wir das Nötigste aus und machten uns auf um das Ablegen vom Sonnendeck aus zu beobachten. Danach haben wir uns einige Zeit in unsere Kabine verzogen und sind gegen halb Fünf etwas essen gegangen. Das Essen war gut. Das Drumherum auf dem Promenadendeck war furchtbar laut. Ich muss gestehen, dieser ganze Tag war fast mehr, als ich nach 12 Tagen äußerster Ruhe ertragen konnte. Ich war total kaputt und war froh, als ich im Bett lag und nichts mehr sehen und hören musste.

05.10.2010
Wir kamen pünktlich um 10.00 Uhr in Kiel an, wo meine Mutter schon bereitstand um uns Urlaub wieder in Empfang zu nehmen.

Alles in allem war es eine wundervolle Reise mit traumhaften Landschaften, wunderbaren Erlebnissen und super gutem Essen. Wir hatten bereits nach wenigen Tagen das Gefühl, als ob wir schon ewig Urlaub hätten. Ich hoffe und glaube nicht, dass es unsere letzte Reise mit den Hurtigruten gewesen ist. Die Reise im Winter noch mal zu machen würde uns beide reizen. Aber dafür müssen wir jetzt erstmal wieder ein bisschen sparen.

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