[Buchbesprechung] Vollendet – Neal Shusterman

Titel: Vollendet

Autor: Neal Shusterman

Verlag: Sauerländer

Erscheinungsjahr: 2012

Seiten: 429

 

Klappentext:
Der 16-jährige Connor hat ständig Ärger. Risa lebt in einem überfüllten Waisenhaus. Lev ist das wohlbehütete Kind strenggläubiger Eltern. So unterschiedlich die drei auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie sind auf der Flucht. Vor einem Staat, in dem Eltern ihre Kinder im Alter von 13 bis 18 Jahren „umwandeln“ lassen können.

Die Umwandlung ist schmerzfrei. Jeder Teil des Körpers lebt als Organspende in einem anderen Organismus weiter. Aber … wenn jeder Teil von dir am Leben ist, nur eben in jemand anderem … lebst du dann, oder bist du tot?

Zitat:
Ich hasse euch dafür, was ihr getan habt. Niemals vergebe ich euch.“ Aber als er endlich auf Seite zehn angelangt ist, schreibt er: „Ich liebe euch. Euer ehemaliger Sohn Connor.“ (S. 145)

Als sich seine Eltern scheiden ließen, entbrannte ein brutaler Kampf um das Sorgerecht für ihn. Zwei Jahre und sechs Gerichtstermine später war er immer noch nicht entschieden. Am Ende konnten sich sein Vater und seine Mutter nur darauf einigen, dass sie Hayden lieber umwandeln lassen wollten, als dem anderen das Sorgerecht zuzubilligen.“ ( S.133)

Meine Meinung:
Das Buch ließ sich trotz des sehr schweren Themas sehr flüssig lesen.Die Vorstellung hatte jedoch immer abwechselnd etwas ekelerregendes und etwas grausames. Jugendliche, die ihren Eltern nicht mehr genehm sind, sie Ärger machen, die keine Eltern haben, werden zur „Umwandlung“ freigegeben und müssen sich auf den Weg ins Ernte-Camp machen. Jugendliche, die im Sorgerechtsstreit zwischen die Fronten geraten werden lieber zur Umwandlung geschickt, als dass einer der beiden Elternteile nachgibt. Im Ernte-Camp wird 99,4 % ihres Körpers in seine Einzelteile zerlegt und für andere Menschen weiterverwendet. Allein schon dieser Ausdruck „Ernte-Camp“, wie ein Ferienlager, als Name für ein Lager in dem Jugendliche ermordet werden. Furchtbar!

Ansatzweise verstehen konnte ich Lev und seine Familie. Auch wenn der Gedanke sein Kind als zehnten Teil zu geben sehr befremdlich auf mich wirkte, so wurde dieses Thema gut herausgearbeitet. Die Gesellschaft der Zukunft gibt nicht mehr nur den zehnten Teil des Einkommens, sondern auch das zehnte Kind. Lev ist von Kleinkind auf in dem Glauben erzogen worden und so erscheint es nur natürlich, dass er sich zunächst würdevoll auf den Weg ins Ernte-Camp macht.

Connor und Risa wuchsen mir sofort ans Herz. Zwei starke Teenager, die jeder für sich und doch auch gemeinsam für ihr Leben kämpfen. Die sich nicht aufgeben und bereit sind sich auch für andere einzusetzen. Ich habe mit ihnen gefiebert, mit ihnen gehofft und auch mit ihnen geweint. Ja, dies war mal wieder ein Buch an dem an einigen Stellen Tränen flossen.

Dies war allerdings auch ein Buch bei dem der Ekel an einer Stelle (als eine Umwandlung geschildert wird) so groß wurde, dass ich fast nicht mehr weiterlesen konnte. Spannend geschrieben und für die Geschichte notwendig. Allerdings auch sehr abstoßend.

Insgesamt fehlte mir allerdings die Auseinandersetzung der Gesellschaft mit dem Thema der „Umwandlung“. Welche Auswirkungen hat es auf die Eltern wenn sie ihr Kind zur Umwandlung angemeldet haben? Wie gehen die Jugendlichen damit um zur Umwandlung freigegeben zu sein? Wie können sie sich überhaupt dazu herablassen ihre Kinder nachdem diese sie 13 oder mehr Jahre aufgezogen haben einfach zum sterben freigeben? Alles in allem wurde mir das Thema etwas zu oberflächlich behandelt. Aus diesem Grund schrammt das Buch an 5 Federn vorbei und erhält gute 4 Federn.

Ich würde das Buch Lesern erst ab 17 oder 18 Jahren empfehlen. Alles andere ist meiner Ansicht nach viel zu früh um mit diesem doch sehr schwierigen Thema fertig zu werden. 14 Jahre, wie bei Amazon angegeben finde ich viel zu früh.

Gepostet in 4 Federn, Gelesen 2012, Rezension
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Ein Kommentar zu [Buchbesprechung] Vollendet – Neal Shusterman

  1. Miriam sagt:

    Hach ja…dir ging’s ähnlich wie mir mit Vollendet. Dieses Buch hat mich noch eine Weile nach dem Lesen beschäftigt.
    Weinen musste ich auch, ganz stark bei der Passage mit der Umwandlung, obwohl ich teilweise auch so schockiert war, dass ich das Buch kurz zur Seite legen musste.
    Es wird so heftig beschrieben wie lange das Bewusstsein, des Teenagers noch besteht, ich konnte nicht anders, als meine Gefühle durch weinen auszudrücken. War schon krass.

    In meiner Rezi habe ich ebensfalls die Altersempfehlung kritisiert. Ich finde 14 Jahre auch zu früh. Um das Buch komplett zu verschtehen und verdauuen zu können, gehört eine gewisse Reife dazu und die haben die meisten 14-Jährigen noch nicht.

    Ich bin jetzt erstmal auf den Folgeband gespannt, vielleicht wird dort das Thema mit der Auseinandersetzung mit der Geschellschaft näher beleutet. Würde mich auch interessieren.

    Viele Grüße
    Miriam

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