[Buchbesprechung] Nennen wir sie Eugenie – Maria Braig

Braig_Nennen_wir_sie_eugenieTitel: Nennen wir sie Eugenie

Autorin: Marie Braig

Verlag: Verlag 3.0

Erscheinungsjahr: 2014

Seiten: 132

 

Klappentext:
Eugenie lebt im Senegal, sie liebt eine Frau, mit der sie eine heimliche Beziehung führt, da im Senegal Homosexualität unter Strafe steht.
Als ihre Eltern sie mit einem älteren Mann verheiraten wollen und Eugenie sich weigert, erfährt ihre Familie von ihrem Lesbischsein. Eugenie gelingt es, trotz Drohungen und Schlägen den Namen ihrer Partnerin zu verschweigen.
Sie erhält Morddrohungen aus ihrem bisherigen Freundeskreis und beschließt aus Angst vor tätlichen Angriffen und Strafverfolgung, die Jahre im Gefängnis bedeuten kann, den Senegal zu verlassen.
Eugenie flieht nach Deutschland, wo sie Schutz und Hilfe erhofft und um Asyl bittet. Sie erlebt das übliche Asylverfahren: Anhörung, Unterbringung in einer heruntergekommenen Sammelunterkunft, Residenzpflicht, schlechte Lebensbedingungen aufgrund des Asylbewerberleistungsgesetzes und schließlich die langersehnte Entscheidung über ihren Antrag, die ihr Leben für immer verändern wird.
Eugenie trifft verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Flüchtlingsschicksalen, erfährt Langeweile, Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit während des Wartens auf eine Entscheidung.
Aus der nicht endenden Zeit des Wartens auf eine Entscheidung wendet sich das Blatt und mit einem Mal sieht sie sich in der Situation, dass sie eine ganz eigene Entscheidung treffen muss …

Meine Meinung:
Nach dem Klappentext hatte ich eigentlich eine Art Biografie erwartet. Bereits auf der ersten Seite erklärt die Autorin jedoch, dass der Geschichte eine reale Grundlage hat, ansonsten aber auf anderen Lebensgeschichten beruht oder erfunden sind. Und genau dieses „erfunden“ wertet das Buch für mich leider ein bisschen ab, denn als Leser weiß man nicht, wieviel wahr und wieviel erfunden ist.

Ein Problem hatte ich z. B. damit, dass Eugenie außerhalb der Aufnahmeeinrichtung des Landes weiterhin Sachleistungen und nur 40 Euro im Monat erhält. Das kann, soweit ich mich mit den Asylbewerberleistungsgesetzen auskenne, nicht stimmen. Außerhalb der Aufnahmeeinrichtungen des Landes gibt es normalerweise nur noch Barleistungen und keine Sachleistungen mehr und die Barleistungen liegen höher als 40 Euro im Monat. Fraglich ist, ob hier einfach falsch recherchiert wurde, oder ob dies die Dramatik erhöhen soll. Auch müssen vor allem in den etwas ländlicheren Regionen, die Asylbewerber nicht in den Obdachlosenunterkünften bleiben, sondern bekommen normale Wohnungen zugewiesen.

Natürlich ging mir Eugenies Schicksal nahe. Wem würde es das nicht? Im Senegal verfolgt wegen ihrer sexuellen Orientierung findet sie auch in Deutschland keine wirkliche Aufnahme. Sicher ist es kein Zuckerschlecken, wenn man im eigenen Land verfolgt wird und in ein fremdes Land kommt, dessen Sprache man nicht spricht und dessen Behördenapparat man nicht kennt. In dieser Beziehung gibt es bei uns viel Nachholbedarf, um die Menschen besser zu versorgen, besser zu integrieren.

Sehr gut dargestellt wurde die Anspannung in der Eugenie sich die gesamte Zeit über befindet. Es muss schrecklich sein, täglich mit der Angst zu leben, ob man bleiben darf oder wieder abgeschoben wird. Gerade dadurch, dass die Autorin hier fast schon sachlich schreibt, geht die Geschichte noch mehr unter die Haut. Die Geschichte von Eugenie, die täglich vielen Menschen so oder ähnlich passiert regt zum Nachdenken an. Schade ist, dass das Buch recht abrupt endet und man nicht erfährt, was mit Eugenie letztendlich passiert.

Von mir gibt es aber nur 3 Federn, da aus meiner Sicht nicht alle Details zum Asylbewerberleistungsrecht sauber dargestellt sind und ich mich damit immer wieder fragte, wieviel Dichtung in dieser Geschichte steckt.

Gepostet in 3 Federn, Gelesen 2015, Rezension
Tagged , , , ,

2 Kommentare zu [Buchbesprechung] Nennen wir sie Eugenie – Maria Braig

  1. Maria Braig sagt:

    Hallo Yvonne,

    ich habe die Geschichte absichtlich nicht in einem bestimmten Bundesland angesiedelt, um möglichst viele Dinge unterbringen zu können. Die Unterschiede bezüglich des Asylbewerberleistungsgesetzes sind groß, da es in der Hand der Länder liegt, wie sie verfahren. In Niedersachsen gibt es nur noch Bargeld,allerdings auch erst seit Mitte 2014 überall) aber in anderen Bundesländern ist das noch nicht durchgängig so. (z.B. in Bayern http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/essenspakete.102.html)
    Genauso sind auch Unterschiede in der Unterbringung und in der Residenzpflicht vorhanden. In manchen Bundesländern darf der Landkreis nicht verlassen werden, in Niedersachsen zählen die Landesgrenzen. Und alles verändert sich immer wieder – hoffentlich zum Besseren.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen