[Buchbesprechung] Hinter dem Schleier – Lydia Laube

Titel: Hinter dem Schleier – Eine australische Krankenschwester in Saudi-Arabien

Autorin: Lydia Laube

Verlag: Drachenmond

Erscheinungsjahr: 2012

Seiten: 223

 

Klappentext:

Während ihrer 25-jährigen Tätigkeit als Krankenschwester hat Lydia Laube auf Knien in Papua-Neuguinea Babies zur Welt gebracht, kümmerte sich um Hospitäler in ausgehöhlten Kanus, arbeitete auf einer Dschunke im Hafen von Hong Kong, half den Armen in den Slums von Naples und begleitete die Buschdoktoren in Australien.

Doch nichts davon hatte sie auf das vorbereitet, was sie als Krankenschwester in Saudi-Arabien erlebte. In einer Gesellschaft, in der sich Frauen von Kopf bis Fuß verschleiern müssen, nicht Auto fahren, wählen oder allein mit einem Mann sprechen dürfen, arbeitete die erfahrene Australierin ein Jahr lang, bevor ihr die Flucht gelang.

Es wurde ihr schlimmster Alptraum.

Meine Meinung:
Ich bin hin und her gerissen. Einerseits liest sich das Buch sehr flüssig und die 223 Seiten flogen förmlich an mir vorbei. Der Schreibstil ist ein bisschen, als wenn man ein privates Tagebuch liest, was ich bei dieser Art Buch (Erfahrungsbericht) aber nicht schlimm finde. Ich habe zu keiner Zeit bereut dieses Buch zu lesen. Man saugt die Sätze förmlich in sich ein, denn man will wissen, was Lydia noch alles widerfährt in diesem Land, dessen Kultur so völlig anders ist als ihre und unserer eigene.

Dennoch konnte mich das Buch nicht völlig überzeugen. Lydia Laube ist für meinen Geschmack ein kleines bisschen zu selbstherrlich. Fast alle Menschen in diesem Land werden von der Autorin als faul dargestellt, die meisten Ärzte sind unfähig und die Krankenschwestern haben keine Lust zu arbeiten. Ich weiß nicht besonders viel über dieses Land (die Autorin übrigens als sie sich entscheidet dort eine Zeit zu arbeiten auch nicht), aber auch wenn der Lebensstil dort ein völlig anderer ist, als hier in Westeuropa oder in Australien, so gehe ich mal davon aus, dass es auch dort gut ausgebildete und motivierte Menschen gibt wie in anderen Ländern der Welt. Das in einem Krankenhaus mir ca. 600 Betten und 500 Mitarbeitern kaum die Hälfte der Mitarbeiter vernünftig arbeitet, das kann ich einfach nicht glauben. Der Standard mag um einiges schlechter sein (zumal die Autorin in den 80er Jahren in Saudi-Arabien war, wenn ich das richtig herausgelesen habe, da sie davon schreibt, dass Reagan Präsident der USA ist), als wir es gewohnt sind, aber dem muss ich mich anpassen, wenn ich in ein anderes Land gehe.

Ich hätte mir gewünscht, dass man mehr über den Krankenhausalltag erfährt, noch mehr über die Lebensweise der Menschen. Es scheint aber so, als ob die Autorin zum „normalen“ Leben in Saudi-Arabien keinen Zugang erhalten hat. Von daher erfährt der Leser fast ein bisschen wenig über Land und Leute im Alltag. Heftig schlucken musste ich doch ein ums andere Mal, wenn die Autorin über die drakonischen Strafen berichtet, die auf alles mögliche stehen. So werden Dieben die Hände abgehackt, Frauen, die „Ehebruch“ begehen (dabei muss die Frau nicht verheiratet sein, sondern sich nur mit einem Mann in einem geschlossenen Raum aufhalten) werden ausgepeitscht oder zu Tode gesteinigt. Für uns westliche Menschen kaum vorstellbar, dass es so etwas auch heute noch auf der Welt gibt.

Von mir gibt es gute 3 Federn mit der Tendenz zu 4 Federn. Ein bisschen mehr Selbstreflexion hätte der Autorin gut getan und den letzten Schubs zu 4 Federn gegeben.

Vielen Dank an den Drachenmond Verlag für das Rezensionsexemplar und das Lesezeichen.

Übrigens, wenn ihr Bücher direkt beim Verlag bestellt, dann bekommt ihr noch ein schönes Drachenmond-Lesezeichen kostenlos dazu. Die Lieferung der Bücher erfolgt versandkostendfrei.

Gepostet in 3 Federn, Gelesen 2012, Rezension
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Ein Kommentar zu [Buchbesprechung] Hinter dem Schleier – Lydia Laube

  1. Cora sagt:

    Danke für die Rezi. Ich habe mich schon gefragt was hinter dem tollen Cover steckt 😉
    LG
    Cora

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