[Buchbesprechung] Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens – Elisabeth Zöller

Titel: Anton – oder Die Zeit unwerten Lebens

Autorin: Elisabeth Zöller

Verlag: Fischer Verlage

Erscheinungsjahr: 4. Auflage im Juni 2009

 

 

 

Klappentext:
Lehrer Heimann hat Anton immer mehr auf dem Kieker.
Er gibt Strafarbeiten, wenn Anton zuckt.
Er schlägt, wenn Anton schweigt.
Er lacht ihn aus, wenn Anton stottert.
Er spottet, wenn Anton rechnet.

Einer wie Anton hat in der Schule nichts zu suchen. Einer wie Anton hat eigentlich überhaupt kein Recht zu leben. Denn Anton ist behindert, und es ist das Jahr 1941.

Meine Meinung:
Das Buch erzählt die Geschichte von Anton. Anton ist ein sehr liebenswerter Junge, der mir sofort ans Herz gewachsen ist. Anton ist unglaublich gut in Mathematik, aber leider hilft ihm das in der Zeit, in der er aufgewachsen ist nicht viel – die Zeit des Nationalsozialismus. Anton ist durch einen Unfall behindert. Er stottert, kann seinen rechten Arm nicht richtig bewegen und spricht von sich selbst in der dritten Person. Trotz seiner Einschränkungen ist Anton ein sehr aufgewecktes Kind mit vielen Fragen und Gedanken.
Das Buch ist ein Jugendbuch und in einer sehr flüssigen Sprache geschrieben, so dass es sich gut lesen lässt. Ich bin sofort in die Geschichte eingetaucht und habe im Kopf neben Anton auf dem Schulhof gestanden und die Gemeinheiten der anderen Kinder ertragen. Das fand ich auch eigentlich das Schlimmste. Sicherlich hat der mit einer normalen Allgemeinbildung versehene  Mensch von heute eine Vorstellung davon, wie schlimm die im Dritten Reich verübten Gräueltaten waren. Aber so hautnah aus der Sicht eines Kindes zu lesen, wie sehr auch die ganz kleinen Kinder schon von der Ideologie geprägt waren und wie grausam sich erwachsene Menschen gegenüber Kindern verhalten haben hat mich doch wieder sehr mitgenommen. Etwas schade fand ich, dass man so wenig darüber erfährt, wie die anderen Kinder der Familie damit umgegangen sind einen behinderten Bruder zu haben. Ich denke mal, dass auch sie wahrscheinlich Anfeindungen deswegen ausgesetzt waren.  Darüber hätte ich, vor allem in Anbetracht, dass die Schwester Marie noch lebt und direkt hätte erzählen können, doch gerne mehr erfahren. Beim Lesen dieses Buches macht man sich wieder deutlich, dass es niemals wieder so weit kommen darf und wir alle dafür einstehen müssen.

Sehr berührt hat mich folgender Dialog von Seite 27:
„Marie seufzt. Kleine Brüder konnten einem fast die Seele aus dem Leib fragen. Und Anton erst recht.
Da erklärte Mama: „Wer fragt, lebt.“
„Und wenn er mal nicht mehr fragt?“, fragte Marie.
„Dann ist er tot“, sagte Mama.
Nach einer Weile sagte Anton: „Jetzt weiß Anton, warum Gott nicht alle Fragen beantwortet.“
„Und warum?“, fragten Marie und Mama.
„Weil er will, dass die Menschen leben.“

Mein Fazit: Lesenswert! Aufrüttelnd!

Das Buch habe ich übrigens über eine Aktion bei Buchjunkie bekommen. Herzlichen Dank nochmal dafür, dass ich das Buch lesen durfte!

Gepostet in 4 Federn, Gelesen 2012, Rezension
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Ein Kommentar zu [Buchbesprechung] Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens – Elisabeth Zöller

  1. […] Yvonne wollte gerne Bekanntschaft mit Anton machen und so hat sie sich nach meinem Beitrag zum 27. Januar, in dem Bücher zum Thema Nationalsozialismus ein Zuhause suchten, bei mir gemeldet. Anton ist inzwischen wohlbehalten bei ihr angekommen und hier folgt nun ihr Leseeindruck. Herzlichen Dank, liebe Yvonne! […]

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